Die Abenteuer des Huckleberry Finn, 1884 von Mark Twain erschienen, ist Twains wichtigstes und literarisch wirkungsreichstes Werk. Huck Finn, Sohn eines brutalen Alkoholikers, flieht seinen Vater und findet auf einem Floß auf dem Mississippi den entlaufenen Sklaven Jim. Sie reisen flussabwärts durch den Süden der Vereinigten Staaten, treffen auf Betrüger, Lynchmobs und die Absurdität der Sklavenhaltergesellschaft. Huck muss mehrfach entscheiden, ob er Jim verrät — und entscheidet sich jedes Mal dagegen, obwohl er selbst überzeugt ist, damit zur Hölle zu fahren.
Twain schreibt den ersten großen amerikanischen Roman in der Volkssprache: Hucks Ich-Erzählung in Dialekt ist kein Stilproblem, sondern ein Statement. Literatur kann aus dem Mund eines ungebildeten Jungen kommen — und dieser Mund sagt etwas, das die gebildete Sprache der Zeit nicht sagt. Was Huck sagt, ist, dass die Gesellschaft falsch liegt: Seine moralische Entscheidung für Jim gegen das Gesetz, die Sitte und die Religion kommt nicht aus intellektueller Überzeugung, sondern aus einem Gefühl, das stärker ist als die Konditionierung.
Das Buch ist in den USA immer wieder wegen seiner Sprache zensiert worden — der Gebrauch des N-Wortes, mit dem Twain die Realität des Südens abbildete und verurteilte, irritiert bis heute. Diese Debatte ist Teil des Buches: Sie zeigt, wie lange die Gesellschaft braucht, um das zu verarbeiten, was Twain 1884 schrieb.
Huckleberry Finn ist das wichtigste Buch über das amerikanische Gewissen im 19. Jahrhundert und über die Frage, was ein Mensch tut, wenn sein moralisches Empfinden und seine gesellschaftliche Programmierung in Konflikt geraten. Twain beantwortet die Frage durch Huck: Das Gefühl gewinnt, weil Huck jung genug ist, um noch nicht gelernt zu haben, ihm zu misstrauen. Das ist keine naive Antwort — es ist eine bittere.
Hemingways Aussage, alle moderne amerikanische Literatur komme aus einem Buch von Twain namens Huckleberry Finn, ist die Art von sweeping statement, die Gegenargumente herausfordert. Was sie dennoch trifft: Twains Entscheidung, einen Roman in der Volkssprache eines ungebildeten Jungen zu schreiben, hat eine Tradition begründet, die ohne ihn nicht denkbar ist. Dass diese Entscheidung 1884 getroffen wurde und heute noch als radikal wahrgenommen wird, ist das, was Twains Leistung von einer technischen zu einer kulturellen macht.
Shakespeare soll 37 Stücke und 154 Sonette hinterlassen haben, obwohl es keine handschriftlichen Originalmanuskripte gibt.
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