Romeo und Julia
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William Shakespeare
1597

Romeo und Julia

von William Shakespeare
AutorWilliam Shakespeare
Erschienen1597
Seiten~144
SpracheDeutsch
LizenzGemeinfrei
Geschätzte Lesezeit
~4 Stunden · 144 Seiten · 535 Wörter Editorialtext
4h
Lesezeit

Über das Buch

Romeo und Julia, um 1595 entstanden, ist das kanonischste Liebesstück der europäischen Literatur — und gleichzeitig eines, das durch seinen kulturellen Überbau oft verdeckt wird, was Shakespeare tatsächlich schreibt. Romeo Montague und Julia Capulet verlieben sich auf einer Feindschaft hinüber, heiraten heimlich, werden durch eine Kette von Missverständnissen und schlechtem Timing in den Tod getrieben. Das Stück dauert vier Tage.

Themen und Bedeutung

Shakespeare schreibt keine Apologie der romantischen Liebe — er schreibt eine Tragödie, die zeigt, wie ein Gesellschaftssystem junge Menschen zerstört. Die Fehde zwischen Montagues und Capulets hat keinen Inhalt mehr, den irgendjemand benennen könnte: Sie ist institutionalisierter Hass, der sich durch Ritualisierung perpetuiert. Romeo und Julia sterben nicht wegen ihrer Liebe, sondern weil die Welt, in der sie leben, keine Form kennt, in der ihre Verbindung existieren kann.

Der Friar Lawrence, der die heimliche Heirat vollzieht und den Schlaftrunk besorgt, ist eine der interessantesten Figuren des Stücks: ein wohlmeinender Mann, dessen Plan präzise richtig ist und dessen Ausführung präzise falsch. Shakespeare beschreibt damit, wie gut gemeinte Eingriffe in systemische Konflikte keine systemischen Konsequenzen haben.

Warum heute lesen?

Romeo und Julia lesen, nicht als sentimentales Liebesdrama, sondern als Studie über institutionellen Hass und seine Opfer, ist eine andere Lektüre als die der Schullektüre. Shakespeare schreibt am Ende keine Erlösung: Die Familien versöhnen sich über den Leichen ihrer Kinder — aber das System, das die Kinder getötet hat, bleibt unangetastet. Das ist der bitterste Satz des Stücks, auch wenn er so nicht geschrieben steht.

Das Stück ist in Versen verfasst, die zwischen Blankvers und Prosa wechseln — je nachdem, welche Figur spricht und in welcher Situation sie ist. Wenn Romeo und Julia in gemeinsamen Sonetten sprechen, teilen sie nicht nur Worte, sondern eine metrische Form. Diese formale Dimension geht in Übersetzungen häufig verloren. Was im Deutschen bleibt, ist die Handlungsstruktur und die Psychologie der Figuren — und das ist, wie Shakespeares Analyse zeigt, schon mehr als genug, um die Frage nach institutionellem Hass und seinen Opfern lebendig zu halten.

Das Stück ist in seinen stärksten Momenten — dem Balkonmonolog, dem Abschied in Julias Zimmer, Merkutios Sterben — eines der lyrisch dichtesten, was Shakespeare geschrieben hat. Diese Dichte ist der Grund, aus dem das Stück als Liebesgeschichte erinnert wird, auch wenn sein Argument ein gesellschaftliches ist.

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