Aus dem Leben eines Taugenichts, 1826 erschienen, ist Eichendorffs einziger Roman und der prototypische Text des deutschen Romantismus in Prosaform. Der namenlose Taugenichts, Sohn eines Müllers, wird von seinem Vater hinausgeschickt, weil er nichts taugt — zu faul, zu träumerisch, zu ungebunden. Er zieht in die Welt, reist nach Italien, verliebt sich in eine Gräfin, die er für unerreichbar hält, erlebt Verwicklungen, Verwechslungen und kehrt am Ende in häusliche Harmonie zurück. Das Buch endet mit einem Aufbruch in die Hochzeitsnacht — allem voran, und es war herrlich.
Eichendorff konstruiert seinen Helden bewusst als Antipoden zur Biedermeier-Tüchtigkeit: Der Taugenichts arbeitet nicht, plant nicht, akkumuliert nicht. Er lebt im Vertrauen, dass die Welt sich zu seinem Besten fügen wird — und sie tut es, weil Eichendorff ein Romantiker ist, kein Realist. Was das Buch interessant macht, ist nicht die Naivität des Protagonisten, sondern die Art, wie Eichendorff sie als Haltung ernst nimmt: Das Gottvertrauen des Taugenichts ist keine Dummheit, sondern eine theologische Position — die Überzeugung, dass Tatkraft ohne Hingabe leer ist.
Die Sprachkunst des Textes ist untrennbar von seinen Liedern: Eichendorff unterbricht die Prosahandlung immer wieder durch Gesang — Lieder des Taugenichts, die das Erzählte nicht kommentieren, sondern verdichten. Wer hören will, was Romantik als Stimmung bedeutet, hört es hier.
Der Taugenichts ist kein Fluchtroman und kein Eskapismus. Er ist ein Text, der die Frage stellt, was Nützlichkeit und Tüchtigkeit kosten — welche Art von Aufmerksamkeit und Freude geopfert wird, wenn man sich in den Dienst der Produktion stellt. Eichendorff beantwortet das romantisch — mit einer Welt, die dem Träumer entgegenkommt —, aber die Frage selbst ist keine romantische: Sie steckt in jedem Arbeitsalltag, der keinen Raum lässt für das, was der Taugenichts kann.
Eichendorffs Taugenichts ist das einzige Werk des Autors, das heute noch in Schulen gelesen wird. Was es für erwachsene Leser bietet, jenseits des didaktischen Kontexts, ist ein literarischer Genuss: Eichendorffs Prosa hat einen Rhythmus, der sich vom ersten Satz an mitteilt, und seine Naturbilder gehören zum Lyrischsten, was die deutsche Prosa des 19. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Das ist ein Wert, der unabhängig von der romantischen Weltanschauung besteht, die das Buch trägt.
Mary Shelley schrieb Frankenstein mit 18 Jahren — es gilt als erster Science-Fiction-Roman der Geschichte.
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