Wilhelm Tell
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Friedrich Schiller
1804

Wilhelm Tell

von Friedrich Schiller
AutorFriedrich Schiller
Erschienen1804
Seiten~168
SpracheDeutsch
GenreDrama
LizenzGemeinfrei
Geschätzte Lesezeit
~4 Stunden · 168 Seiten · 459 Wörter Editorialtext
4h
Lesezeit

Über das Buch

Wilhelm Tell, 1804 uraufgeführt, ist Schillers letztes vollendetes Drama und das historisch wirkungsmächtigste der deutschen Literatur. Der Schweizer Volksheroe Wilhelm Tell verweigert den Huldigungsgruß vor dem Hut des habsburgischen Landvogts Geßler, wird verhaftet und dazu gezwungen, mit der Armbrust einen Apfel vom Haupt seines Sohnes zu schießen. Er trifft. Als Geßler ihn dennoch gefangen nehmen will, flieht Tell — und tötet Geßler schließlich aus dem Hinterhalt.

Themen und Bedeutung

Schiller schreibt kein Heldendramma im einfachen Sinne: Tell ist kein politischer Mensch — er lehnt die Beteiligung am Rütli-Schwur ab, der den organisierten Widerstand vorbereitet. Sein Handeln ist individuell und reaktiv, kein Teil eines politischen Projekts. Schiller unterscheidet damit bewusst zwischen Tell als ethischem Handelnden und dem kollektiven politischen Akt der Eidgenossen: Beide sind notwendig, aber sie sind verschieden.

Das Drama hat eine dramaturgische Breite, die durch die Parallelhandlungen — Attinghausens Tod, Rudenz' Wandlung, der Rütli-Schwur — entsteht und Tell selbst zu einer Figur macht, die in ihren eigenen Szenen konzentriert ist. Das gibt dem Stück eine Qualität, die von Nationaldramen selten erreicht wird: die Konkretheit des Einzelnen im Rahmen des Kollektiven.

Warum heute lesen?

Wilhelm Tell ist durch seinen Schulkanon-Status und seine nationalpolitische Vereinnahmung — durch die Schweizer Demokratie, durch den deutschen Nationalliberalismus, durch die NS-Zeit, die es verbot — schwerer zu lesen als es sein sollte. Das Stück selbst ist differenzierter als seine Rezeptionsgeschichte: Es stellt die Frage nach dem legitimen Widerstand gegen Tyrannei ohne simplistische Antwort. Tell tötet Geßler — und das Stück lässt offen, ob das Mord oder Recht ist.

Das Stück hat eine komplizierte Rezeptionsgeschichte: Die Schweizer Demokratie hat es als Nationaldrama vereinnahmt, der deutsche Nationalliberalismus als Freiheitsdrama, die Nationalsozialisten haben es zunächst gespielt und später verboten, weil die Tyrannenmordthese zu offensichtlich war. Kein anderes deutschsprachiges Drama hat eine solche politische Instrumentalisierungsgeschichte — und keine davon erschöpft, was das Stück tatsächlich enthält. Wer das Stück außerhalb seiner Rezeptionsgeschichte liest, findet Schiller auf dem Höhepunkt seiner dramaturgischen Fertigkeit.

Was das Stück über seine Rezeptionsgeschichte hinaus bietet, ist Schillers Insistenz auf der konkreten menschlichen Entscheidungssituation: Tell tötet nicht aus politischer Überzeugung, sondern weil ihm keine andere Wahl gelassen wurde. Diese Unterscheidung ist bei Schiller immer entscheidend: Nicht das Ideal, sondern die konkrete Situation des Einzelnen ist der Ausgangspunkt des Dramas. Das macht den Tell zu einem Stück über Freiheit, das Freiheit nicht als abstraktes Prinzip, sondern als gelebte Erfahrung beschreibt.

📚 Wussten Sie schon?

Thomas Mann schrieb Buddenbrooks mit nur 26 Jahren — für den Roman erhielt er später den Nobelpreis.

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