Hamlet
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William Shakespeare
1603

Hamlet

von William Shakespeare
AutorWilliam Shakespeare
Erschienen1603
Seiten~176
SpracheDeutsch
GenreDrama
LizenzGemeinfrei
Geschätzte Lesezeit
~4 Stunden · 176 Seiten · 351 Wörter Editorialtext
4h
Lesezeit

Über das Buch

Hamlet, um 1601 entstanden, ist das meistgespielte Stück der Weltliteratur und in der Forschung das meistkommentierte Einzelwerk überhaupt. Prinz Hamlet erfährt vom Geist seines Vaters, dass dieser von seinem Bruder Claudius, dem neuen König und Ehemann der Mutter, ermordet wurde. Er zögert, zu handeln; simuliert Wahnsinn; setzt ein Theaterspiel zur Probe ein; tötet versehentlich Polonius; verliert Ophelia; tötet am Ende Claudius — aber erst, nachdem alle gestorben sind, die er hätte retten können.

Themen und Bedeutung

Die Frage, warum Hamlet zögert, hat keine konsensuelle Antwort — und das ist Absicht. Goethe sah in ihm zu viel Empfindsamkeit für die Handlung; Nietzsche sah einen Menschen, dem das Wissen das Wollen gelähmt hatte; Freud sah den Ödipuskomplex; Lacan sah das Begehren nach dem Signifikanten. Keine dieser Lesarten ist falsch; keine reicht aus. Hamlet ist ein Charakter, der bewusst konstruiert wurde, um jede Fixierung zu überschreiten — was ihn zu einem Spiegel für jede Epoche macht, die ihn liest.

Sein Sein oder Nichtsein-Monolog ist kein Suizid-Erwägung im psychopathologischen Sinne, sondern eine philosophische Frage nach dem Wert des Handelns in einer Welt, in der kein Handeln sauber ist. Das Stück stellt keine Moral auf — es beschreibt die Zerlegung einer Moral.

Warum heute lesen?

Hamlet lesen ist zunächst zuhören: Es ist ein Stück, das für die Bühne geschrieben ist und in Lektüre seinen Sprachrhythmus verliert. Aber wer die Textur der Sprache — ihre Verdichtungen, Wortspiele, abrupten Tonwechsel — als schriftliches Phänomen erfährt, findet Schichten, die die Aufführung nicht zeigen kann. Das Stück ist eines der genauesten Dokumente der englischen Sprache im Moment ihrer Verdichtung zu literarischem Instrument. Das allein rechtfertigt die Lektüre über den dramaturgischen Wert hinaus.

Hamlet existiert in mehreren Textfassungen, die erheblich voneinander abweichen. Die meisten Ausgaben folgen dem Second Quarto von 1604, ergänzt durch das First Folio von 1623. Diese editorische Unsicherheit ist kein bloßes Philologenproblem — sie zeigt, dass der Text, den wir als Hamlet kennen, eine Konstruktion ist, keine unveränderliche Überlieferung. Das macht das Stück in seiner Überlieferung so unabgeschlossen wie sein Protagonist in seiner Handlungsbereitschaft.

Hamlets Sprache ist das erste Argument für eine Lektüre im Original: Kein Übersetzer hat den Rhythmus seiner Monologe vollständig reproduzieren können, ohne dabei etwas anderes zu verlieren. Wer Englisch liest, liest Shakespeare; wer eine Übersetzung liest, liest den Übersetzer — und das ist kein geringer Ertrag, aber ein anderer.

📚 Wussten Sie schon?

Shakespeare soll 37 Stücke und 154 Sonette hinterlassen haben, obwohl es keine handschriftlichen Originalmanuskripte gibt.

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