Rot und Schwarz
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Stendhal
1830

Rot und Schwarz

von Stendhal
AutorStendhal
Erschienen1830
Seiten~497
SpracheDeutsch
LizenzGemeinfrei
Geschätzte Lesezeit
~12 Stunden · 497 Seiten · 491 Wörter Editorialtext
12h
Lesezeit

Über das Buch

Rot und Schwarz, 1830 von Stendhal erschienen, ist der erste große Gesellschaftsroman des französischen 19. Jahrhunderts und zugleich ein Werk, das sich seinem Genre durch eine ungewöhnliche psychologische Direktheit entzieht. Julien Sorel, Sohn eines Zimmermanns aus der Provinz Franche-Comté, ist begabt, ehrgeizig und von der nachnapoleonischen Gesellschaft als Aufsteiger ohne soziale Kategorie. Er wird zunächst Hauslehrer bei dem Bürgerlichen Monsieur de Rênal, dann Zögling eines Pariser Seminars, dann Sekretär des Marquis de La Mole — und hat dabei zwei Liebschaften, die sein Ende bestimmen.

Themen und Bedeutung

Stendhal entwickelt für Julien eine narrative Technik, die der erlebten Rede nahekommt: Der Lesende folgt Juliens Berechnungen in Echtzeit — er observiert, kalkuliert, entscheidet sich für eine Haltung und beobachtet dann, wie seine eigenen Gefühle diese Kalkulation unterlaufen. Die Beziehung zu Madame de Rênal beginnt als Ehrgeizprojekt — er entscheidet, sie verführen zu müssen, um sich selbst zu beweisen — und wird zu einer der wenigen realen Bindungen seines Lebens. Die Beziehung zu Mathilde de La Mole ist ihr genaues Gegenteil: Beide spielen strategisch, und das strategische Spiel erzeugt eine Art Leidenschaft, die keine Wärme hat.

Juliens Mord an Madame de Rênal — er schießt auf sie in der Kirche, als sie seinem Vorgesetzten einen Brief über sein früheres Verhalten geschrieben hat — ist das unlogischste und aufschlussreichste Ereignis des Romans: ein Mann, der sein ganzes Leben kalkuliert hat, gibt alle Kalkulation auf und vernichtet sich selbst. Stendhal lässt das ohne psychologische Erklärung stehen.

Warum heute lesen?

Rot und Schwarz beschreibt ein Muster, das in keiner historischen Epoche geschlossen ist: den Menschen, der seinen sozialen Aufstieg als Projekt betreibt und dabei entdeckt, dass das Projekt und das Leben nicht deckungsgleich sind. Juliens Klarheit, mit der er im Gefängnis vor der Hinrichtung lebt — die klarste Zeit seines Lebens, sagt er selbst —, ist die bitterste Aussage des Romans: dass das, was er immer gesucht hat, in dem Moment ankam, als es nichts mehr nützte.

Stendhal gab dem Roman einen Untertitel: Chronik des 19. Jahrhunderts. Was er damit meinte, war nicht historische Vollständigkeit, sondern psychologische Repräsentativität: Julien Sorel ist der Typ des Mannes, der unter den Bedingungen der Restauration entstehen musste — begabt, unversorgt, voller Energie ohne Kanal. Diese Diagnose, mit der Schärfe Stendhals formuliert, gilt für mehr als eine Epoche.

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