Krieg und Frieden
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Leo Tolstoi
1869

Krieg und Frieden

von Leo Tolstoi
AutorLeo Tolstoi
Erschienen1869
Seiten~1296
SpracheDeutsch
LizenzGemeinfrei
Geschätzte Lesezeit
~32 Stunden · 1296 Seiten · 458 Wörter Editorialtext
32h
Lesezeit

Über das Buch

Krieg und Frieden, 1863 bis 1869 von Leo Tolstoi erschienen, ist in Umfang und Ambition ein Solitär der Weltliteratur: mehr als 1200 Seiten, über 500 Figuren, dreizehn Jahre russischer Geschichte — von Napoleons Austerlitz-Feldzug 1805 bis zum Ende des Vaterlandskriegs 1812. Tolstoi verfolgt mehrere adlige Familien — Bolkonski, Rostow, Besuchow — durch Krieg und Frieden, Hochzeiten und Tod, Glauben und Desillusionierung. Das Buch endet nicht, es mündet in zwei Epiloge, von denen der zweite ein philosophischer Essay über Geschichte und freien Willen ist.

Themen und Bedeutung

Tolstois Geschichtsphilosophie, die er im Lauf des Romans immer offen darlegt, ist sein eigentliches Projekt: Geschichte wird nicht von Feldherren gemacht. Napoleon plant und kalkuliert und siegt bei Austerlitz, weil er Glück hat. Bei Borodino verliert er, weil tausend unkontrollierbare Einzelentscheidungen in die andere Richtung weisen. Kutusow, der russische General, gewinnt, indem er nicht handelt: Er versteht den Rhythmus der Ereignisse und hört auf, ihn zu stören. Das ist kein Defätismus, sondern eine Theorie der politischen Intelligenz.

Die Figuren, die im Gedächtnis bleiben, sind nicht die Philosophen unter den Charakteren, sondern die unmittelbarsten: Natascha, die die Energie des Lebens selbst verkörpert; Pierre, der durch alle Weltanschauungen stürzt und am Ende zur einfachsten Überzeugung findet; Fürst Andrej, der zweimal stirbt — einmal am Schlachtfeld, einmal am Wissen darum.

Warum heute lesen?

Krieg und Frieden lesen bedeutet, sich für Wochen auf einen Rhythmus einzulassen, der nicht der des modernen Lesens ist. Was es dafür gibt, ist keine Unterhaltung im üblichen Sinne, sondern eine Erfahrung: die Erfahrung, wie ein Mensch mit außerordentlichem Realitätssinn die gesamte menschliche Existenz in einem einzigen Werk unterzubringen versuchte und dabei näher daran herankam als jeder andere.

Tolstoi bezeichnete Krieg und Frieden selbst nicht als Roman, sondern weigerte sich, das Werk in eine Gattung zu pressen. Das Buch ist kein Roman, kein Epos, keine Geschichte im historiographischen Sinne — es ist ein Versuch, alles auf einmal zu sein. Diese Unklassifizierbarkeit ist seine Stärke und der Grund, aus dem es nach 150 Jahren keine Entsprechung hat. Wer ein Buch sucht, das ihm zeigt, was Literatur leisten kann, wenn sie sich keine Grenzen setzt, findet hier seine Antwort.

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