Oliver Twist
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Charles Dickens
1837

Oliver Twist

von Charles Dickens
AutorCharles Dickens
Erschienen1837
Seiten~463
SpracheDeutsch
LizenzGemeinfrei
Geschätzte Lesezeit
~12 Stunden · 463 Seiten · 491 Wörter Editorialtext
12h
Lesezeit

Über das Buch

Oliver Twist, 1837 bis 1839 von Charles Dickens in Monatsheften erschienen, ist sein zweiter Roman und sein erster, der unmittelbar auf gesellschaftliche Institutionen zielt. Oliver, Waisenkind und Armenhauskind, bittet um eine zweite Portion Gruel — und wird dafür verkauft. Er flieht nach London, gerät in Fagins Diebesbande, wird verhaftet, gerettet, wieder entführt und am Ende durch eine Kette von Zufällen in eine bürgerliche Existenz überführt, die sich als seine rechtmäßige Herkunft erweist. Dickens schreibt in offenem Widerspruch zum Poor Law Amendment Act von 1834, das Armenhäuser zu Strafeinrichtungen gemacht hatte.

Themen und Bedeutung

Fagin ist die literarisch komplexeste Figur des Romans, und sie ist die, die Dickens am meisten Unbehagen bereitet hat: ein jüdischer Hehler und Lehrherr von Kinderdieben, der mit genuiner Zuneigung zu seinen Schützlingen und geschäftsmäßiger Kälte gegenüber ihrem Schicksal handelt. Die Antisemitismus-Debatte um diese Figur gehört zur Rezeptionsgeschichte des Textes und ist nicht zu umgehen; Dickens selbst hat in seinem Spätwerk Riah in Our Mutual Friend eine Gegenfigur entworfen, was implizit eine Selbstkorrektur war.

Die Handlungsstruktur des Romans ist melodramatischer als Dickens' Spätwerk — die Koinzidenzen häufen sich, die Bösewichte sind dunkler, die Unschuldigen reiner. Das entspricht dem Genre des Newgate-Romans, gegen das Dickens zugleich schreibt: Er benutzt dessen Mittel, um eine andere These aufzustellen — nicht die Glorifizierung des kriminellen Außenseiters, sondern die Anklage der Strukturen, die ihn erzeugen.

Warum heute lesen?

Oliver Twist ist nicht Dickens' formal vollständigstes Werk, aber es ist das, in dem seine gesellschaftliche Wut am direktesten formuliert ist. Die Armenhauskritik, der Blick auf Londons Unterwelt, die Beschreibung von Kindheit als Zustand vollständiger institutioneller Ausgeliefertheid — diese Teile des Romans haben eine Direktheit, die in den späteren, formal ausgereifteren Werken durch Komplexität gebrochen ist. Wer Dickens zum ersten Mal liest, findet hier das Material seines Zorns ohne die Kompliziertheit seiner Technik.

Dickens schrieb Oliver Twist parallel zu den Pickwick Papers, die gerade zu erscheinen begannen. Was diese Simultaneität erklärt, ist die Schärfe der gesellschaftlichen Kritik: Pickwick ist komödiantisch, Oliver Twist anklägerisch. Dickens hielt beide Tonlagen aufrecht und zeigte damit, dass er von Beginn an über eine Bandbreite verfügte, die seine späteren Romane systematisch ausschöpften.

📚 Wussten Sie schon?

Thomas Mann schrieb Buddenbrooks mit nur 26 Jahren — für den Roman erhielt er später den Nobelpreis.

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