Nora oder Ein Puppenheim
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Henrik Ibsen
1879

Nora oder Ein Puppenheim

von Henrik Ibsen
AutorHenrik Ibsen
Erschienen1879
Seiten~112
SpracheDeutsch
GenreDrama
LizenzGemeinfrei
Geschätzte Lesezeit
~3 Stunden · 112 Seiten · 424 Wörter Editorialtext
3h
Lesezeit

Über das Buch

Nora oder Ein Puppenheim, 1879 uraufgeführt, ist das folgenreichste Stück des europäischen Realismus. Nora Helmer hat jahrelang eine Schuld verheimlicht: Um Geld für eine lebensrettende Kur ihres Mannes Torvald zu borgen, hat sie eine Unterschrift gefälscht. Als der Gläubiger Krogstad droht, dies zu enthüllen, erwartet Nora, dass Torvald — wie in Romanen — die Schuld auf sich nimmt. Er tut es nicht. Er ist empört. Als die Bedrohung vorbeigeht, will er versöhnlich sein. Nora verlässt ihn, ihre Kinder und ihr Haus.

Themen und Bedeutung

Ibsen schrieb das Stück nicht als feministisches Manifest, sondern als Analyse einer spezifischen Lüge: der Lüge der bürgerlichen Ehe als Harmonie. Torvald ist kein Schurke — er liebt Nora, auf seine Weise. Seine Weise ist die, dass er sie als Besitz behandelt, der ihm Freude macht und ihm gehorcht und für ihn repräsentiert. Als die Fassade der gemeinsamen Welt berührt wird, zeigt sich, wer jeder von beiden wirklich ist — und Nora entscheidet sich auf Basis dieser Erkenntnis.

Das Zuschlagen der Tür am Ende des Stücks war für das zeitgenössische Publikum ein Schock, für das heutige ein Symbol. Ibsen weigerte sich, den deutschen Theatern eine versöhnliche Alternative zu liefern — außer einmal, unter Druck, für eine einzige Aufführung. Er nannte diese Version eine Barbarei.

Warum heute lesen?

Nora ist nicht veraltet, weil die strukturellen Bedingungen, die Ibsen beschreibt — die ökonomische Abhängigkeit von Frauen, die emotionale Arbeit, die sie in Ehen investieren, die rechtliche Unmündigkeit —, sich in vielen Teilen der Welt nicht grundlegend verändert haben. Wo sie sich verändert haben, hat das Stück eine andere Relevanz: Es beschreibt, wie eine Frau begreift, dass sie das Richtige nie getan hat — nur das Erwartete. Diese Unterscheidung ist nicht historisch.

Das Stück wurde bei seiner Uraufführung 1879 in Kopenhagen von einem Publikum gesehen, das den Schluss überwiegend als skandalös empfand — nicht wegen der moralischen Bewertung, sondern wegen des Fehlens einer auflösenden Geste. Ibsen bot keine Erlösung, keine Rückkehr, kein Signal, wie das Gesehene eingeordnet werden sollte. Diese Verweigerung ist nach wie vor das Radikalste am Stück: Es endet in der Offenheit des wirklichen Lebens, das keine dramaturgische Auflösung kennt.

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