Madame Bovary
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Gustave Flaubert
1857

Madame Bovary

von Gustave Flaubert
AutorGustave Flaubert
Erschienen1857
Seiten~412
SpracheDeutsch
LizenzGemeinfrei
Geschätzte Lesezeit
~10 Stunden · 412 Seiten · 471 Wörter Editorialtext
10h
Lesezeit

Über das Buch

Madame Bovary, 1857 von Gustave Flaubert erschienen und kurz nach der Serienveröffentlichung Gegenstand eines Obszönitätsprozesses, ist der Roman, der die moderne Erzähltechnik mitbegründet hat. Emma Rouault, Tochter eines normannischen Bauern, heiratet den harmlosen Landarzt Charles Bovary und zieht in ein provinziales Leben, das ihren aus Romanzen gespeisten Vorstellungen von Leidenschaft, Eleganz und Bedeutung in keinem Punkt entspricht. Sie führt zwei Affären, häuft Schulden an und stirbt durch Arsen.

Themen und Bedeutung

Flaubert entwickelt für diesen Roman das, was Literaturwissenschaftler später als erlebte Rede bezeichnet haben: eine Erzähltechnik, die die Grenze zwischen Erzählerstimme und Figurenbewusstsein so durchlässig macht, dass der Lesende nicht mehr unterscheiden kann, ob eine Wertung die des Erzählers oder Emmas ist. Diese Ununterscheidbarkeit ist kein technisches Versehen, sondern das Instrument, mit dem Flaubert seine Kritik übt: Die romantische Gefühlssprache, in der Emma denkt, ist selbst das Problem — sie erzeugt Wünsche, die keine reale Welt erfüllen kann, und verurteilt ihren Träger zur permanenten Enttäuschung.

Charles Bovary ist dabei keine blasse Nebenfigur. Er liebt Emma mit einer Konsequenz, die ihr nie auffällt, weil er nicht das Bild des Geliebten erfüllt, das sie aus Büchern kennt. Sein Tod nach Emmas Tod — er findet einen ihrer Liebesbriefe und stirbt ohne Anklage — ist Flauberts bitterste Aussage: dass die Fähigkeit zur tatsächlichen Liebe in diesem Roman stirbt, ohne dass jemand sie bemerkt.

Warum heute lesen?

Madame Bovary ist kein Roman über Ehebruch, obwohl er so verhandelt wurde. Er ist ein Roman über die Frage, was passiert, wenn Erwartungen, die durch kulturelle Produkte erzeugt werden, auf eine Wirklichkeit treffen, die diese Erwartungen nicht erfüllen kann — und über die Unfähigkeit des Subjekts, zwischen dem Wunsch und seiner Quelle zu unterscheiden. Diese Dynamik ist nicht historisch. Sie ist so präzise wie 1857, und Flaubert hat die Technik, sie darzustellen, mit einer Konsequenz entwickelt, die die Romanliteratur nach ihm dauerhaft verändert hat.

Flaubert überarbeitete den Roman über fünf Jahre — ein Prozess, den seine Briefe an Louise Colet in ungewöhnlicher Detailliertheit dokumentieren. Er beschreibt darin, wie er nach dem richtigen Wort sucht, wie er an einzelnen Sätzen Stunden verbringt. Diese Briefe sind ein Dokument über das Schreiben so wichtig wie der Roman selbst: Flaubert hat die Idee des literarischen Handwerks als moralische Haltung — le mot juste als ethisches Prinzip — dauerhaft in die europäische Literaturgeschichte eingeschrieben.

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