Der zerbrochne Krug
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Heinrich von Kleist
1806

Der zerbrochne Krug

von Heinrich von Kleist
AutorHeinrich von Kleist
Erschienen1806
Seiten~96
SpracheDeutsch
GenreDrama
LizenzGemeinfrei
Geschätzte Lesezeit
~2 Stunden · 96 Seiten · 417 Wörter Editorialtext
2h
Lesezeit

Über das Buch

Der zerbrochne Krug, 1808 uraufgeführt, ist Heinrich von Kleists einzige Komödie. Der Dorfrichter Adam muss in einem Verfahren über einen Fall urteilen, dessen Täter er selbst ist: Er war nachts in der Kammer der jungen Evchen und zerbrach beim Fliehen einen Krug. Evchens Verlobter Ruprecht wird als Täter angeklagt. Adam führt das Verfahren so, dass es keine Lösung ergibt — er sabotiert systematisch jede Beweiserhebung. Der aufsichtsführende Gerichtsrat Walter, der den Vorgang beobachtet, versteht, was sich abspielt, und lässt Adam trotzdem ein Stück weit operieren, um das vollständige Ausmaß der Korruption zu dokumentieren.

Themen und Bedeutung

Kleist hat keine einfache Komödie geschrieben. Adam ist komisch in seiner Panik, seiner Ausweichstrategie, seinen immer unwahrscheinlicheren Erklärungsversuchen — aber was er tut, ist nicht komisch: Er missbraucht institutionelle Macht und bringt einen Unschuldigen in Gefahr. Die Komik entsteht durch das Missverhältnis zwischen dem Gewicht des Anliegens und der Albernheit der Ausführung. Kleist schreibt damit über die strukturelle Komödie der Justiz: dass dieselbe Institution, die Recht sprechen soll, ihre eigenen Vergehen verhandelt.

Eves Situation ist das Ernsthafteste im Stück: Sie kann die Wahrheit nicht sagen, ohne Adams Macht über ihren Verlobten zu provozieren. Sie ist das Opfer aller Seiten.

Warum heute lesen?

Der zerbrochne Krug ist ein kurzes Stück von großer dramaturgischer Dichte — und eines, das die Frage nach institutioneller Rechenschaft mit einer Direktheit stellt, die sich durch das Komödienschema nicht entschärfen lässt. Der Richter, der sein eigenes Vergehen verhandelt, ist keine antike Figur. Kleist hat die Farce mit dem Präzisionsinstrument geschrieben.

Kleist schrieb das Stück als Ergebnis einer Wette: Gemeinsam mit Wieland und Zschokke sollten alle drei dasselbe Gemälde — einen Kupferstich, der einen Dorfrichter mit einem zerbrochenen Krug zeigt — in ein Stück verwandeln. Kleists Version ist die einzige, die je aufgeführt wird. In der Originalfassung als Einakter entfaltet es eine Dichte und Komik, die in der von Goethe auf drei Akte aufgeteilten Uraufführung von 1808 gemindert war. Die komprimierte Fassung ist die, in der Kleists Handwerk am deutlichsten wird.

Kleists Komödie zeigt, dass die Entlarvung einer institutionellen Lüge nicht zwingend Gerechtigkeit herstellt: Adam flieht statt verhaftet zu werden, und die Ordnung, die ihn hervorbrachte, bleibt intakt. Das ist das stille Fazit des Stücks — kein Happy End, sondern eine Pause.

📚 Wussten Sie schon?

Thomas Mann schrieb Buddenbrooks mit nur 26 Jahren — für den Roman erhielt er später den Nobelpreis.

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