Der Kirschgarten
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Anton Tschechow
1904

Der Kirschgarten

von Anton Tschechow
AutorAnton Tschechow
Erschienen1904
Seiten~88
SpracheDeutsch
GenreDrama
LizenzGemeinfrei
Geschätzte Lesezeit
~2 Stunden · 88 Seiten · 414 Wörter Editorialtext
2h
Lesezeit

Über das Buch

Der Kirschgarten, 1904 uraufgeführt — Tschechows letztes Stück, sechs Monate vor seinem Tod —, zeigt eine russische Adelsfamilie, die ihren Besitz, einschließlich des berühmten Kirschgartens, durch Schulden verliert. Ranjewskaja, die Gutsherrin, und ihr Bruder Gajew können sich nicht entscheiden, den Garten zu retten, obwohl Lopachin — Kaufmann, Sohn ehemaliger Leibeigener — ihnen eine praktikable Lösung anbietet. Am Ende kauft Lopachin den Garten selbst und lässt die Kirschbäume fällen. Der alte Diener Firs wird vergessen und eingeschlossen.

Themen und Bedeutung

Tschechow bestand darauf, das Stück sei eine Komödie — Stanisławski sah eine Tragödie. Beide haben recht, und diese Doppelnatur ist die eigentliche Leistung: Die Unfähigkeit der Adelsfamilie zu handeln ist komisch und tragisch zugleich, weil sie aus echter Verlorenheit stammt, nicht aus Böswilligkeit. Was sie verlieren, ist keine abstrakte Tradition, sondern ein konkreter Ort der Kindheitserinnerung — aber das reicht nicht als Grund zur Handlung.

Lopachin ist keine eindeutige Figur: Er ist kein Triumphator, er liebt Ranjewskaja aufrichtig, und der Moment, in dem er ankündigt, den Garten zu kaufen, ist der unglücklichste seines Lebens. Tschechow gibt keiner Klasse recht — er beschreibt eine historische Transition ohne Sieger.

Warum heute lesen?

Der Kirschgarten beschreibt eine Welt im Übergang mit einer Genauigkeit, die ihre spezifisch russische Oberfläche überlebt. Was jede Generation an dem Stück erkennt, ist eine Grundstruktur: der Abschied von dem, was war, die Unfähigkeit zu handeln, die nötig wäre, um es zu bewahren, und das Fortschreiten der Zeit unabhängig davon, ob man bereit ist. Tschechow nimmt das nicht als Klage auf — er stellt es fest, mit einer Mischung aus Humor und Traurigkeit, die seine eigene Handschrift ist.

Das Stück ist Tschechows letztes vollendetes Bühnenwerk — er starb im Juli 1904, wenige Monate nach der Uraufführung. Die Inszenierungsgeschichte des Kirschgartens durch das Moskauer Künstlertheater hat die moderne Regie mitbegründet: Stanisławskis Methode, den inneren Zustand der Figuren durch das Äußerliche der Alltagshandlung zu zeigen, wurde an Tschechow entwickelt und veränderte das europäische Theater dauerhaft.

Tschechow ließ dem Stück keine Deutungshilfe — er bestand auf der Komödienbezeichnung und lehnte Stanisławskis schwere Inszenierung ab. Diese Meinungsverschiedenheit zwischen Autor und Regisseur ist selbst ein Dokument: Sie zeigt, wie viel im Text liegt, das sich eindeutiger Klassifikation entzieht.

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