Der Biberpelz
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Gerhart Hauptmann
1893

Der Biberpelz

von Gerhart Hauptmann
AutorGerhart Hauptmann
Erschienen1893
Seiten~112
SpracheDeutsch
GenreDrama
LizenzGemeinfrei
Geschätzte Lesezeit
~3 Stunden · 112 Seiten · 363 Wörter Editorialtext
3h
Lesezeit

Über das Buch

Der Biberpelz, 1893 uraufgeführt, ist Gerhart Hauptmanns gesellschaftskritischste Komödie. Mutter Wolff, Waschfrau im Berliner Umland, stiehlt aus einer Kombination von Gelegenheit, Unverfrorenheit und handwerklicher Eleganz einen Biberpelz und später ein Holzboot. Der zuständige Amtsvorsteher Wehrhahn — ein preußischer Bürokratentypus, der politische Verdächtige verfolgt und dabei die tatsächlichen Verbrechen nicht sieht — ermittelt und kommt dem Diebstahl nicht auf die Spur, weil er von Anfang an nach dem falschen Täter sucht.

Themen und Bedeutung

Hauptmann schreibt Satire, aber keine, die von oben auf die Verhältnisse blickt. Mutter Wolff ist die eigentliche Heldin des Stücks — nicht weil Stehlen recht ist, sondern weil sie in einem System agiert, das ihr keine rechtmäßige Möglichkeit lässt, ihre Familie zu ernähren. Wehrhahn repräsentiert eine Ordnung, die ihre eigenen Machtmittel — Bürokratie, Denunziation, Klassenjustiz — gegen die Falschen einsetzt, weil sie aus politischen Gründen befangen ist. Das Ergebnis: Der Täter geht frei, weil der Ermittler blind ist.

Hauptmann schreibt im Berliner Dialekt und verzichtet auf Karikatur: Mutter Wolff ist klug, liebevoll gegenüber ihrer Familie und moralisch nicht eindeutig zu verurteilen. Die Komik entsteht aus der Inkompetenz der Macht, nicht aus der Dummheit der Armen.

Warum heute lesen?

Der Biberpelz hat eine aktuelle Frage im Kern: Was tun Menschen, die in einem System leben, das sie systematisch benachteiligt, aber legal kaum Möglichkeiten lässt, sich zu helfen? Hauptmann beantwortet das nicht moralisch, sondern zeigt einen spezifischen Fall mit aller Ambivalenz: Mutter Wolff überlebt durch List in einem System, das ihr keine Gerechtigkeit bietet, und sie wird dabei nicht zur Sympathiefigur im einfachen Sinne — sondern zu einer Figur, deren Handeln man versteht, ohne es zu billigen.

Das Stück hat eine direkte Fortsetzung: Der rote Hahn (1901), in dem Mutter Wolff weiter vorkommt und ihre Methoden noch schärfer gezeigt werden. Wer den Biberpelz allein liest, kennt Mutter Wolff in ihrer vitalsten Phase; wer die Fortsetzung kennt, sieht, wohin dasselbe System führt. Hauptmann hat damit eine der wenigen dramaturgischen Zweiteile geschrieben, in dem das zweite Stück das erste nicht überschreibt, sondern seine Fragen weiterentwickelt.

Hauptmann schrieb das Stück mit dem Bewusstsein, dass seine naturalistischen Kollegen — Ibsen vor allem — ähnliche soziale Analysen auf der Bühne formuliert hatten. Was ihn von Ibsen unterscheidet, ist der Ton: Hauptmann arbeitet mit Witz, nicht mit Schwere. Die soziale Kritik sitzt in der Komödie selbst, nicht in einem erklärenden Schluss. Das macht den Biberpelz zu einem Stück, das unterhalten und gleichzeitig mehr leisten kann, als seine leichte Oberfläche ankündigt.

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Mary Shelley schrieb Frankenstein mit 18 Jahren — es gilt als erster Science-Fiction-Roman der Geschichte.

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