Das Bildnis des Dorian Gray
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Oscar Wilde
1890

Das Bildnis des Dorian Gray

von Oscar Wilde
AutorOscar Wilde
Erschienen1890
Seiten~254
SpracheDeutsch
LizenzGemeinfrei
Geschätzte Lesezeit
~6 Stunden · 254 Seiten · 474 Wörter Editorialtext
6h
Lesezeit

Über das Buch

Das Bildnis des Dorian Gray, 1890 erschienen, ist Oscar Wildes einziger Roman und zugleich sein persönlichstes Werk — eine Auseinandersetzung mit dem Ästhetizismus, zu dessen Chefideologen er selbst gehörte. Dorian Gray, ein junger Mann von außerordentlicher Schönheit, wünscht, sein Porträt möge altern statt seiner. Der Wunsch geht in Erfüllung. Unter dem Einfluss des zynischen Lord Henry Wotton, der Selbstentfaltung als oberstes Prinzip propagiert, nimmt Dorian ein Leben der Genüsse auf, das anderen Schaden zufügt — während das Porträt im versperrten Zimmer die Zeichen trägt, die sein Gesicht nicht trägt.

Themen und Bedeutung

Wilde schreibt Selbstkritik in Schönheit verkleidet. Lord Henry formuliert alle brillanten Aphorismen des Buchs — und ist trotzdem derjenige, der Dorian verdirbt, ohne selbst die Konsequenzen zu tragen. Das Porträt ist das Gewissen, das Dorian ausgelagert hat: Er sieht es und wendet sich ab. Was Wilde beschreibt, ist nicht die Verderbnis durch Lust, sondern die durch Unverantwortlichkeit — die Unfähigkeit, Handlungen als Teile eines Selbst anzuerkennen, das Konsequenzen hat.

Basil Hallward, der Maler, ist die ethisch klarste Figur — und stirbt zuerst. Wilde lässt keine moralischen Helden in diesem Roman überleben. Was die ästhetizistische Weltsicht kostet, zeigt er nicht durch Predigt, sondern durch Architektur: Am Ende zerstört Dorian das Porträt — und sich selbst.

Warum heute lesen?

Wildes Roman ist kein historisches Dokument des viktorianischen Ästhetizismus, sondern eine permanente Diagnose: das Porträt als Externalisierung von Konsequenzen, die das Subjekt nicht sehen will. In einer Kultur, in der das kuratierte Bild des Selbst vom Selbst entkoppelt werden kann — in der Wirkung und Ursache durch Plattformen getrennt werden —, ist Wildes Metapher präziser als je zuvor. Was das Bildnis am Ende zeigt, ist, was immer da war.

Wilde schrieb den Roman in einer einzigen intensiven Schaffensphase — die Druckfassung erschien 1890 in Lippincott's Monthly Magazine, überarbeitet und mit Vorwort 1891 als Buch. Das Vorwort, das die ästhetizistische These komprimiert — All art is quite useless —, ist keine Ergänzung zum Roman, sondern sein philosophischer Rahmen. Wer das Vorwort kennt und dann den Roman liest, liest ihn anders: Die These des Vorworts wird im Roman nicht bestätigt, sondern durch die Handlung widerlegt — was Wildes eigentlichstes Argument ist.

📚 Wussten Sie schon?

Leo Tolstoi war so unzufrieden mit Anna Karenina, dass er erwog, das Manuskript zu verbrennen.

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